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Pilot-Projekt: Tierpädagogik und Landschaftspflege in Kürnach

Kindern Verantwortung für Tiere beibringen


Ein verregneter Freitagnachmittag. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer rammen Pfosten für einen Zaun in die Erde, eine Rüttelplatte verdichtet den Schotter, Pflastersteine werden verlegt und jemand bringt mit dem gemeindlichen Radlader Steine und Material. Kinder hüpfen um das Geschehen herum und sind begeistert.

Auf dem Radlader sitzt in Arbeitshose und Regenjacke Bürgermeister Thomas Eberth. Er ist trotz des Regens erfreut über das Engagement der Helferinnen und Helfer. Mit dabei ist auch 3. Bürgermeister Edgar Kamm, Landtagsabgeordneter Manfred Ländner und weitere Frauen und Männer, die das neue Projekt „Tierpädagogik“ in Kürnach unterstützen möchten.

Bürgermeister Eberth stellt dabei das Projekt vor: „Das Wissen um die Landwirtschaft, die Tierhaltung und die Natur geht immer weiter verloren. Dies ist nicht nur in Städten, sondern zunehmend auch auf dem Land so. Volle Ladenregale lassen den Bezug zu Tieren, Landwirtschaft und damit der Natur verschwinden. Daher hat sich die Gemeinde Kürnach überlegt, wie gegen diese Entwicklung etwas unternommen werden kann“, erläutert der Bürgermeister. Gemeinsam mit dem Bauhof und ehrenamtlich, engagierten Bürgerinnen und Bürgern ist das Pilot-Projekt mit Tierpädagogik und Landschaftspflege auf Kleinflächen in Kürnach diskutiert und als nachverfolgenswert erachtet worden. Drei Schafe und vier Hühner wurden angeschafft, um auf Weiden und Grünflächen, die kein Landwirt mehr bewirtschaften möchte, Koppeln anzulegen und dort die Tiere zu halten. Die Fütterung, Pflege und Kontrolle der Tiere erfolgt über einen fest eingeteilten ehrenamtlichen Helferkreis in Verbindung mit den verschiedenen Einrichtungen der Gemeinde Kürnach.

Nach einer Eingewöhnungsphase der Tiere werden dann die Arbeiten wochenweise von den Kindern der Kindergärten und der Grundschule mit einem Betreuer übernommen. Auch das Seniorendienstleistungszentrum und die Senioren der Tagespflege sollen beteiligt werden. Die Kosten für den Unterstand, einen Elektrozaun, einen Holzzaun, das Futter, Wasserbehälter und der Baumschutz sowie die Anschaffung der Tiere belaufen sich auf ca. 3.500,00 €. Alle Arbeiten wurden in mehreren Arbeitstagen erledigt und so kann die Eingewöhnungsphase der Tiere beginnen.

Zwei Wochen später bei herrlichem Sonnenschein ist der erste Weideneinstand auf der Wiese hinter dem Bauhof fertiggestellt. Der Zaun steht, der Stall ist gebaut und die drei Kamerunschafe Matthilda, Lisbeth und Lore liegen zufrieden in der Sonne. Zur Begrüßung der Tiere haben sich die Helferinnen und Helfer getroffen um auch die Details abzustimmen. Außerdem schaut auch der Tierarzt vorbei um vor Ort die Gesundheit der Tiere und das Gehege zu begutachten. „Alles in bester Ordnung“, attestiert er. Die Grundlagen der Tierhaltung sind auch mit dem Veterinäramt besprochen. „Neben der Begegnung mit den Tieren steht das Tierwohl natürlich im Vordergrund“, betont der Bürgermeister. Den Kindern der Kindergärten und Grundschule aber auch den Senioren soll ermöglicht werden, mit den Tieren in einem tierfreundlich ausgestalteten Lebensraum in Kontakt zu treten. Damit sollen positive Erlebnisse ermöglicht und Wissenswertes über Bedürfnisse, artgemäße Haltung und Fütterung sowie die Bedeutung dieser Tiere für den Menschen vermittelt werden. „Es ist aber kein Streichelzoo“, betonen auch Helga Ländner und 3. Bürgermeister Edgar Kamm. „Es geht um Wissensvermittlung, die Übernahme von Verantwortung und auch die Arbeit. Ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint, eben sieben Tage die Woche früh und abends, ohne Ausreden“, sind sich alle Betreuer einig. „Durch die Hühner gibt es auch erlebbare Erfolge für die Kinder, weil diese dann die Eier mit nach Hause nehmen dürfen“, ergänzt der Bürgermeister.

Susanne John hat über das gemeindliche Mitteilungsblatt von der Aktion gelesen und sich sofort bereit erklärt mitzumachen. „Das ist erlebbares Dorfleben, dies muss man unterstützen, vom Füttern übers Ausmisten bis hin zum Kümmern“, so John. Auch Frau Dr. Christa Kasang ist mit dabei und freut sich auf die ersten Begegnungen zwischen den Kindern und den Tieren. „Über konkrete Maßnahmen und in diesem Fall, dem Projekt „Tierpädagogik“, wollen wir auch Landwirtschaft und Bevölkerung im Kontext von vollen Supermarktregalen wieder zusammenbringen. Daher freut es mich, dass der Gemeinderat dies mehrheitlich befürwortet hat“, so Bürgermeister Thomas Eberth mit zufriedenem Blick auf den Stall, die Weide und die Helferinnen und Helfer. Über weitere Helfer oder Spender für das Projekt freut sich die Gemeinde Kürnach. Allerdings gilt: Betreten der Koppel ist nur mit Aufsicht erlaubt und auch das Füttern bitte nur unter fachmännischer Begleitung.

 

Begrüßen gemeinsam die drei Kürnacher Kamerunschafe Matthilda, Lisbeth und Lore. Von Links: Susanne John, 3. Bürgermeister Edgar Kamm, Eva Pfenning, Bürgermeister Thomas Eberth, Helga Ländner mit Enkelin Finja auf der Bank, Peter Ebert, 2. Bürgermeisterin Sieglinde Bayerl und Dr. Christa Kasang