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Neue Lebensräume für Feldhamsterpopulationen

Wachstum und Gewerbe im Einklang mit der Natur


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1. Bürgermeister Thomas Eberth (Kürnach, kniend) und Helmut Scholz beim Begang der Flächen vor einem belaufenen Feldhamsterbau. Hier wird ein Abfangen des Nagers notwendig.


Kurz nach der Getreideernte sieht man auf den Äckern öfters kleine Erdhügel und tiefe große Löcher. Hierbei handelt es sich um die Zugänge von Hamsterbauen. Diese waren noch vor einiger Zeit häufig in der Landschaft anzutreffen. Heute ist der Feldhamster in seinem Bestand bedroht und daher per Gesetz geschützt. Einige Bestände der Feldhamster leben auf Grund der guten Böden in Teilbereichen Unterfrankens.

Eine EU-Richtlinie regelt einheitlich, dass die Lebensräume von Feldhamstern nicht zerstört werden dürfen. In der Praxis ergeben sich durch die gesetzlichen Vorgaben regelmäßig Probleme. Folgenden Fragen ergeben sich: Sind Hamsterlebensräume von Bauvorhaben betroffen, darf trotz Hamstervorkommen gebaut werden oder sind die Tiere in geeignete Lebensräume umzusiedeln. Vor der Bewältigung dieser Problemstellungen standen und stehen auch verschiedene Gemeinden in Unterfranken.

Besonders betroffen sind die Entwicklungsgemeinden Kürnach und Estenfeld. "Um den Hamsterschutz mit den städtebauplanerischen Belangen zu vereinbaren, haben wir intensiv mit verschiedenen Behörden um Lösungen für den Feldhamster und für die Entwicklung der Gemeinden diskutiert" so Bürgermeister Thomas Eberth. "Daraus resultierend hat Kürnach ein Erfolgskonzept für die Umsiedlung und den Erhalt von Feldhamstern erarbeitet", bestätigt der Bürgermeister. Zunächst muss ermittelt werden, welche Lebensräume für den Hamster als Ausgleich geeignet sind, welchen Einfluss unterschiedliche Bewirtschaftungen auf die Populationsentwicklung haben und welche Faktoren zu einem nachhaltigen Bestand des Nagers führen. Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse wurden zusammen mit Biologen und Fachbüros Ausgleichsflächen gefunden, die von Landwirten hamsterfreundlich angebaut werden.

Außerdem haben sich die Gemeinden in ihren Bebauungsplänen zu Schutzmaßnahmen verpflichtet. Auf den Ackerflächen der geeigneten Umsiedlungsgebiete wurden verschiedene Streifen mit unterschiedlicher Breite und Bepflanzung angelegt. Die Bewirtschaftungsmethoden richteten sich dabei nach den ökologischen Ansprüchen der Feldhamster.

Durch ein intensives Monitoring wurde herausgefunden, an welchen Stellen sich die Feldhamster am wohlsten fühlten und welche Erfolge sich durch die getroffenen Schutzmaßnahmen nicht nur für den Hamster erzielen lassen. Denn als Nebeneffekt des gezielten Anbaus entwickeln sich auch die unterschiedlichsten Pflanzen- und Tierarten, darunter z.B. das bedrohte Rebhuhn. Bürgermeister Eberth betont: "Auch wenn es für manchen lächerlich klingt und nicht nachvollzogen werden kann, ist ein konstruktiver Umgang mit dem Thema Feldhamster sinnvoll. So können wir uns als Gemeinde entwickeln und gleichzeitig Natur und Umwelt stärken." Die Entwicklung des Feldhamsterausgleichs in Zusammenarbeit mit den Landwirten läuft sehr gut. "Der Landwirt wird so auch zum Naturschützer und Wirtschaftsförderer!" so Eberth.

Gemeinsam mit Dipl.-Biol. Ralf Schreiber wurde der Erfolg der Ausgleichsmaßnahmen analysiert. Seit Neuesten unterstützt Frau Carola Rein von der FABION GbR die Untersuchungen. Durch Anpflanzungen von Getreide, Luzerne und Klee sind die Ausgleichsflächen ein optimaler Lebensraum für den Feldhamster. Bürgermeister Eberth lobte die Zusammenarbeit mit Regierung, Landratsamt und Naturschutz: "Wenn alle konstruktiv zusammenarbeiten, sind wirklich gute Lösungen und Entwicklungen auch für Gewerbebetriebe möglich."

In Kürnach sind für die Erschließung einer kleineren Gewerbefläche mit 6.000 qm auch Umsiedlungsmaßnahmen erforderlich. Bei einem Kontrollgang durch Helmut Scholz von der Auktor Ing. Gmbh und Bürgermeister Thomas Eberth konnten auf dem Grundstück Feldhamsterbaue entdeckt werden. Um eine Bebauung zu realisieren ist es nun erforderlich, die Hamster abzufangen und auf die vorhandene Ausgleichsfläche zu bringen. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit den Fachleuten und tiergerecht.